Ein grundlegender Unterschied zur klassischen Baukultur ist die Lebenszyklus-übergreifende Betrachtung des Bauwerkes, von der Ideenfindung, über die Planungs-, Bau- und Nutzungsphase bis zum endgültigen Rückbau. Durch die Fokussierung auf die durchgängige Dokumentation von Informationen in jeder einzel­nen Phase und die Bereitstellung als maschinenlesbare Datenbasis für die darauf folgende, hat sie starke Auswirkungen auf die Art und Weise der Informationsbeschaffung und -pflege. Hier lässt sich eine zielge­richtete systematische Arbeitsweise identifizieren, die sich auch in den einzelnen Richtlinien wiederfindet. Das Bauwerk ist das Ziel, die Information ist der Weg dorthin, der gemeinschaftlich zurückgelegt werden muss.

 

·  BIM fordert und fördert die Zusammenarbeit, Partnerschaft

·  Lebenszyklusbetrachtung von Projektbeginn an

·  Gemeinsame vertraglich geregelte Zieldefinition und Aktion

·  Gemeinschaftlicher Projekterfolg und -verantwortung

·  Offener, transparenter Umgang mit Problemen und Schwächen

·  Strategische Projektvorbereitung sowie ausführliche Planung der Planung

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 2.2.1 BIM – Kultur / 2013

 

Externe Einflüsse können sein:

·      Projektvorgaben

·      Partner

·      Konkurrenz

·      Marketing

Interne Beweggründe sind:

·      Optimierung der Arbeitsabläufe

·      Vertiefen der Softwarekenntnisse

·      neue Betätigungsfelder

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 2.2.4  Motivation für BIM / 2013

 

Durch BIM wird ein neues Optimierungsniveau erreicht. Der Fokus liegt bei einer höheren Planungs-, Ter­min- und Kostensicherheit, die durch die Transparenz über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks entsteht. Es vereinfacht das Risikomanagement und ermöglicht die Planungsqualität und die industriellen Fertigungsprozesse besser zu kontrollieren. Der Hauptvorteil von BIM liegt für den Auftraggeber in den umfassenden, offen zugänglichen und von vielen nutzbaren Gebäudeinformationen. Diese qualitativ hoch­wertigen und konsistenten Planungsdaten ermöglichen frühzeitige und belastbare Entscheidungsfindungen.

 

Ein Bauwerksmodell ermöglicht den Umfang der vorliegenden Projektdokumentation zusätzlich visuell schnell zu erfassen und mit den entsprechenden Werkzeugen nachvollziehbar zu prüfen. An diesem Gebäu­demodell lässt sich die Untersuchung der Energieeffizienz, die Bauablaufplanung oder die Mängelverfol­gung eindeutig nachvollziehen. Ebenso sind an vielen Stellen Möglichkeiten gegeben, Prozesse durch Auto­matisierung zu unterstützen. Durch die hohe Anzahl an Informationen und die umfassende Bauwerksbeschreibung können unterschiedli­che Datenquellen nun besser verlinkt, Informationen zielgerecht übertragen und Berechnungen durchge­führt werden

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 2.2.5  BIM-Vorteile / 2013

 

Traditionelle Schnitte und Grundrisse beschreiben nur einen Teil eines Bauwerkes und haben tendenziell einen höheren Abstraktionsgrad. Durch eine 3D Darstellung müssen mehr Informationen konkret darge­stellt und verwaltet werden. Das führt zu einer Vorverlagerung von Planungsaufwendungen, erlaubt aber früher, gesicherte Entscheidungen zu treffen. In der Planung können Missverständnisse und Fehler früher identifiziert und vermieden werden. Der höhere Informationsgehalt ermöglicht genauere Betrachtungen hinsichtlich Kosten, Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz, etc.

 

Spätere und somit kostenintensivere Änderungen und Anpassungen in der Planung und Ausführung können so vermieden werden. Davon profitieren die nachfolgenden Gewerke, die nun auf eine höhere Planungs­qualität zurückgreifen können.

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 3.1.6 Aufwandsverlagerung / 2013

 

Abbildung 1 : Aufwandsverlagerung und Einfluss auf Kostenentwicklung (Quelle: (Liebich, et al., 2011) nach Patrick MacLeamy)
Eigene Darstellung

Schwächen und Risiken:

·      Wissen und richtiges Verständnis für BIM und der Einfluss von BIM wird unterschätzt:

Den Anwendern ist nicht bewusst, welche Faktoren in der Projektabwicklung durch BIM beeinflusst werden. BIM betrifft alle Projektbeteiligten.

·      Projektbeginn und Vertragsgrundlagen bzgl. BIM:

Vorgaben werden nicht vollständig gelesen und verstanden. Softwarespezifische BIM-Richtlinien be­schränken den Wettbewerb.

·      Verträge:

BIM Leistungen werden nicht von Beginn an verankert.

·      2D Richtlinien:

Traditionelle CAD-Pflichtenhefte, welche auf ältere CAD-Werkzeuge ausgelegt sind, schließen häufig den Einsatz von unterschiedlichen BIM-Lösungen aus. Das ist früh mit dem Auftraggeber zu klären bzw. durch ihn zu korrigieren.

·      Erwartungsmanagement:

Die Erwartungen an das Team und die Werkzeuge werden zu hoch gesetzt.

·      Fehlende Erfahrung:

Aufgrund fehlender Erfahrung und Richtlinien kann der Arbeitsaufwand nicht eingeschätzt oder kalku­liert werden. Das notwendige Wissen (Software, Prozesse) fehlt, so können die technischen Möglichkei­ten nicht bewertet und genutzt werden. Häufiger Personalwechsel unterstreicht diesen Aspekt.

·      Hinauszögern und häufiges Ändern von wichtigen Entscheidungen und Zielsetzungen:

Aufgrund von willkürlichen Entscheidungen durch den Auftraggeber oder Auftragnehmer kann es not­wendig sein, ein Datenmodell komplett neu aufzubauen.

·      Diszipliniert arbeiten:

Wenn Modelle ausgewertet werden sollen, sind alle notwendigen Informationen von Beginn an struktu­riert einzuarbeiten. Aufgrund fehlender Angaben durch einen fehlerhaften Modellaufbau, ist eine struk­turierte Modellauswertung nicht möglich.

·      Unterschätzung der Aufwandsvorverlagerung:

Teilbeauftragung, besonders der ersten Leistungsphasen, hemmt die Durchgängigkeit und somit die Vorteile von BIM-Methoden

 

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 3.1.2 Häufige Schwierigkeiten bei einer BIM-Projektdurchführung  / 2013