Die übergreifende Einführung von BIM stellt hohe Anforderungen an alle am Bau Beteiligten, der ein lang­fristiger Änderungsprozess zugrunde liegt. Empfohlen wird eine BIM-Übergangsphase, die allen Bereiche des Bauwesens die Zeit gibt, sich an die neue Arbeitskultur mit BIM anzupassen. Dies ist in vielerlei Hinsicht ein Entwicklungs- und Lernprozess. Unter anderem müssen Führungs- und Fachkräfte neue Prozessstrategien und -techniken erlernen, bzw. diese auf die Fä­higkeiten der Projektbeteiligten und der eingesetzten Software abstimmen. Ziel muss sein, dass alle Berei­che auf gleichem Niveau operieren.

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 3.1.1 BIM-Übergangsphase / 2013

 

Abbildung 1 : Grundlegende Bedeutung von Zeichnungen und Bauwerksmodellen (Quelle: Singapore BIM Guide Version 2, 2013)

In der Projektstartphase werden, aufgrund der vielfältigen technischen Möglichkeiten, häufig zu umfangrei­che technische Zielsetzungen definiert. Gerade in der Einführungsphase von BIM führt dies zu einem unnö­tig hohen Risiko bei der Projektdurchführung. Die Zielsetzungen in einem Projekt, sollten nur so hoch gewählt werden, wie der schwächste Nenner. Eine angepasste Erwartungshaltung sichert ein positives Projektergebnis, welches wiederum eine wichtige Grundlage für weitere Projekte und die Motivation der Mitarbeiter bildet. Der BIM-Manager erstellt und ver­einbart die BIM-Strategie mit dem Bauherrn, definiert die vertraglichen Anforderungen und gewährleistet die Einhaltung und ständige Weiterentwicklung der BIM-Projektstandards an die momentane Leistungspha­se.

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 3.1.3 Erwartungen an den BIM-Prozess / 2013

 

Ein BIM-Umsetzungsplan setzt sich unabhängig der Unternehmensgröße aus 3 Schritten zusammen und ermöglicht es, den größten Nutzen aus der BIM-Arbeitsmethode in der jeweiligen Situation abzuleiten:

·      Konzeptphase: Analyse und Sicherung

Analyse: Mitarbeitergespräche; Identifikation zentraler Geschäftsprozesse, BIM-Potentiale und -Defizite

Sicherung: Aufbau von Schulungen; Schaffen von Akzeptanz und Verständnis

·      Aufbauphase: Lösungsfindung und Validierung

Ausbau der Schulungen, Strategien der einzelnen Etappen, Pilotprojekt

·      Optimierungsphase:

 kontinuierliche Optimierung im Projektrahmen, permanente Weiterentwicklung und Projektbetreuung

Da es sich bei einer BIM-Einführung meistens auch um den Einsatz von neuer Software handeln wird, ist es notwendig, dass ein Softwaresupport über mehrere Monaten verfügbar ist und jederzeit unterstützend tätig werden kann. Neben den Softwareschulungen ist ein entsprechendes BIM-Wissen und -Verständnis aufzubauen, wie die­se Softwareapplikation effizient in einem BIM-Projekt einzusetzen ist.

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 3.2.1 Im Unternehmen / 2013

 

Für die Leistungsphasen 1 – 4 nach HOAI ist ein guter erster Schritt für die Plangenerierung und Flächenermittlung zu nennen (im Ingenieurbau der Positions- und Schalplan). Dazu wird für die Leistungs­phasen 1 und 2 ein eher grobes Modell erstellt, das auch leicht handhabbar ist und eher geringe Anforderun­gen an Hardware und Veränderungen in den Arbeitsabläufen stellt. Gesteigert werden kann dies in den folgenden Leistungsphasen durch eine ansteigende Detaillierungstiefe des Modells, zum Beispiel für eine Nutzung in den einzelnen Stufen der Kostenermittlung oder als Grundlage für die Energieanalyse und Nachweis.

Für die gewerkübergreifende Koordination werden die Bauteilmodelle der unter­schiedlichen Disziplinen lagerichtig zusammengebracht und auf Konsistenz und Kollision geprüft. 

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 3.2.2 In Projekten / 2013

 

Die Erstellung der Planungsdokumente und die Organisation des Informationsflusses zwischen den Planungs- und Ausfüh­rungsbeteiligten ist ein zentraler Teil des Projektmanagements. In dem Maße, in dem die Anwendung der BIM-Methode während der Planung Informationen bündelt und den Beteiligten zur Verfügung stellt, wird BIM zum zentralen Teil des Informationsmanagements.

Die im Informationsmanagement zu klärenden Fragen sind Anforderungen an den BIM-Prozess (Verant­wortlichkeiten, zeitliche Koordination, Ablauf des Änderungsmanagements) sowie Anforderungen an die Struktur, Inhalt, Qualität der relevanten Informationen und technische Parameter wie Datenformat, Aus­tauschformate und Projektplattformen. Bauwerksmodelle spielen dabei eine große Rolle. Die zu beantwor­tenden Fragen hinsichtlich ihrer Erstellung und Nutzung sind:

·         Wer erstellt die fachspezifischen Bauwerksmodelle?

·         Was ist die Mindestqualität, der die Bauwerksmodelle genügen müssen?

·         Wann müssen die Bauwerksmodelle im vereinbarten Detaillierungsgrad vorliegen?

·         Wie werden die Bauwerksmodelle den Beteiligten bereitgestellt?

·         Welche Folgeprozesse können durch die Bauwerksmodelle effizienter werden?

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 4.1 Informationsmanagement / 2013

 

Neu an dem BIM-Prozess ist die Höherwertigkeit der Informationen im Bauwerksmodell im Vergleich zur Zeichnung, einerseits die dritte Dimension, und andererseits die zusätzlichen Sachmerkma­le, die mit den Modellelementen verknüpft werden. Dazu kommen noch die verschiedenen Strukturen und Gliederungen von Bauwerksmodellen. Während es bei der elektronischen 2D-Zeichnung im Wesentlichen auf die Layerstruktur beschränkt war, können Bauwerksmodelle nach verschiedenen Strukturen gegliedert werden, wie der räumlichen Struktur, der Anlagenstruktur oder der Komponentenstruktur. Auch zu deren Verwendung müssen Regelungen getroffen werden.

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 4.1.1 Besonderheiten des Informationsmanagements bei BIM / 2013

 

Grundlage einer BIM-basierten Projektabwicklung im Sinne des „BIG BIM“ ist eine Rücksprache der Projekt­beteiligten mit dem Bauherrn über die Ziele der BIM-Anwendung, die Organisation der Verantwortlichkei­ten, die Festlegung der wesentlichen Prozesse und Auswertungen, die mit BIM umgesetzt werden sollen, die Definition und Kontrolle der geforderten Qualität, sowie über die verwendeten Softwaretechnologien und Formate.

Der vereinbarte BIM-Projektabwicklungsplan wird dann zumeist ein Vertragsbestandteil zwischen dem Auftraggeber und den Projektteilnehmern, bzw. zwischen dem Generalplaner und den Fachplanern, oder dem Generalüber-nehmer und den Subunternehmern.

Der BIM-Projektabwicklungsplan definiert damit die Ziele, organisatorische Strukturen und Verantwortlich­keiten. Er stellt also den Rahmen für das „was“, die BIM-Leistungen als definierte Fertigstellungsgrade der digitalen Bauwerksmodelle dar, und das „wie“, die Prozess- und Austauschanforderungen der einzelnen Beteiligten. In seiner Anwendung fördert der BIM-Projektabwicklungsplan die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten und erhöht die Transparenz für das Planungsteam und den Auftraggeber. Aber auch das ausführende Team profitiert durch eine klar festgehaltene Dokumentation, beispielsweise bei einem Perso­nalwechsel oder einer Projektunterbrechung.

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 4.1.2 Der BIM-Projektabwicklungsplan / 2013

 

Jeder Fachplaner erstellt sein fachspezifisches Bauwerksmodell gemäß der im BIM-Projektabwicklungsplan zu Projektbeginn festgelegten verbindlichen Modellierungsvorschriften.

Diese einzelnen Fachmodelle werden für die Koordination überlagert, im einfachsten Fall als Referenz in der Planungssoftware eines Objekt- oder Fachplaners, oder als ein separates Koordinierungsmodell in einem BIM-Viewer oder Koordinierungsprogramm.

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 4.3 Fachübergreifendes Arbeiten / 2013

 

Damit der Austausch der Fachmodelle und die Zusammensetzung in einem Koordinierungsmodell mit allen Projektbeteiligten gelingt, müssen einige generelle Modellierungsvorschriften eingehalten werden. Diese Festlegungen sollten ebenfalls bereits zu Projektbeginn getroffen und im BIM-Projektabwicklungsplan fest gehalten werden.

Beispiele fachmodellübergreifender Modellierungsvorschriften sind:

·         Lagekoordination :

·                 Festlegen eines einheitlichen Projektkoordinatenursprungs

·                 Einheitliche Georeferenzierung des Projektkoordinatenursprungs

·                 Einheitliche Maßeinheiten

·         Räumliche Strukturierung :

·                 Festlegen der räumlichen Modellgliederung bzw. -unterteilung

·                 Einheitliche Stockwerksgliederung

·                 Einheitliche Untergliederung großer Projekte in Bauabschnitte oder Gebäudeteile

·                 Modellieren aller Bauteile geschossweise (also keine geschossübergreifenden Wände oder Stützen)3.1.3 Erwartungen an den BIM-Prozess4.3 

Quelle: BIM Leitfaden Deutschland / 4.3.1 Modellierungsvorschriften für die fachübergreifende Zusammenarbeit / 2013