Das Programm Autodesk Revit beinhaltet von vornherein die Bereiche Architektur, Ingenieurbau und Gebäudetechnik.

(siehe Abb. 1)

 

Bei Graphisoft ArchiCAD wird zum Grundprogramm ein kostengünstiges Add On geladen.

Mit dem sogenannten HKLSE Modeller kann dann die Gebäudetechnik modelliert werden.

Abbildung 1 / Eigene Darstellung, Revit 2017 Studentenversion

Wenn in Revit MEP ein neues Sanitärmodell angefertigt wird, dann wird dies unter einer eigenen Ansicht erstellt, um nicht das Architekturmodell unabsichtlich zu verändern. Jedoch sind beide Fachmodelle miteinander verknüpft und aktualisieren sich automatisch bei Veränderungen. (siehe Abb. 2)

 

Beim HKLSE Modeller wird das Sanitärmodell wie das Architekturmodell in der Zeichenebene auf dem jeweiligen Geschoss erstellt. Man kann beispielsweise bei den Wänden, Decken, Dächern usw. unter Optionen – Elementattribute – Ebenen, die Ebenen auf „geschlossen“ umstellen, sodass das Architekturmodell nicht versehentlich verändert werden kann. (siehe Abb. 3)

Abbildung 2
Abbildung 3

In Revit gibt es die Möglichkeit das Rohrsystem der Sanitärobjekte die zu einem System gehören mit Hilfe eines Lösungsvorschlags zu generieren. Danach können immer noch einzelne Rohre und deren Lage manuell angepasst werden.

Die Verbindung von zwei Rohrsegmenten erfolgt automatisch über passende Formteile, sofern die Routing – Voreinstellungen korrekt getroffen wurden.

Abbildung 4 / Eigene Darstellung, Revit 2017 Studentenversion

Beim HKLSE Modeller gibt es keine Lösungsvorschläge für die Rohrsysteme, aber man kann über die Leitungsführungsfunktion mehrere miteinander verbundene HKLSE-Elemente durch eine Reihe von Klicks relativ simpel erstellen. Voreingestellt wird, ob es sich um eine Kanal-, Leitungs-, oder Kabelführung handelt und in welcher Dimension und Lage diese modelliert werden soll. Die Leitungsführung beginnt mit dem ersten Klick sowohl im Grundriss als auch im 3D-Fenster. Nun können beliebig viele Segmente aneinandergereiht werden. Unter dem Button Konstruktionsmethode kann nun festgelegt werden, ob die Elemente horizontal, vertikal oder in einem bestimmten Winkel angeordnet werden sollen. Die Verbindungsstücke von zwei Rohrsegmenten setzen sich zudem automatisch und im Nachhinein kann dann noch die Biegung durch Einstellen des Winkels verändert werden. (siehe Abb. 5 und 6)

Abbildung 5
Abbildung 6

Das über die IFC-Datei in Revit importierte Sanitärmodell aus ArchiCAD liefert nicht genügend Informationen. Beispielsweise werden die Elementtypen nicht erkannt, die Leitungen werden als Luftkanäle deklariert, Maße werden teils nur versteckt über die Typeigenschaften gefunden und das Material wird gar nicht erst ausgewiesen.

(siehe Abb. 7)

Abbildung 7 / Eigene Darstellung, Revit 2017 Studentenversion

Ein weiteres Problem ist, dass das importierte Sanitärmodell nicht weiterbearbeitet werden kann. Die integrierten Rohre können nicht mit den internen Rohrsegmenten verbunden oder weitergezeichnet werden. (siehe Abb. 8)

Abbildung 8 / Eigene Darstellung, Revit 2017 Studentenversion

Die in ArchiCAD importierte IFC Datei aus Revit liefert leider auch keine ausreichenden Informationen. Es werden beispielsweise einige Abwasserrohre fälschlicherweise als Rohrtypen „Trinkwasser“ deklariert. (siehe Abb. 9)

Abbildung 9

Die importieren Elementtypen tauchen zwar unter den HKLSE Elementen auf, allerdings lassen sich diese nicht verändern. Problem hierbei ist ebenfalls, dass das importierte Sanitärmodell nicht weiterbearbeitet werden kann. (siehe Abb. 10) Mit dem Installieren der Verbindungs-Plug Ins für Revit und ArchiCAD könnten diese Probleme eventuell gelöst werden (siehe Fazit).

Abbildung 10

Um realitätsecht modellieren zu können, werden oft Bauteile von Bibliotheken oder direkt von Herstellern benötigt, da diese in den Programmen nicht vorhanden sind. Viele Hersteller stellen ihre Produkte schon als CAD-Dateien in nativen Formaten zur Verfügung. Dabei fiel jedoch auf, dass des Öfteren passende Elemente für Revit vorhanden waren, aber nicht für ArchiCAD. (siehe Abb. 11)

Abbildung 11 / Eigene Darstellung, Revit 2017 Studentenversion

Beim HKLSE Modeller gibt es in der Bibliothek nicht sehr viele verschiedene Arten von Haustechnikelementen. Beispielsweise waren keine Wasserzähler vorhanden. Es ist aber in Zukunft denkbar, dass auch für ArchiCAD einige 3D-Objekte direkt vom Hersteller generiert werden können. Somit kann dann auch eine genauere und realistischere Modellierung der Haustechnik erfolgen.

n Revit kann über den Projektbrowser – Bauteilliste – Neue Bauteillisten/ Mengen erstellt werden. So erhält man eine Übersicht über die Mengen der Bauteile, sowie über die Elemente die verbaut wurden. (siehe Abb. 12)

Abbildung 12 / Eigene Darstellung, Revit 2017 Studentenversion

In ArchiCAD können ebenfalls Bauteillisten/Mengenlisten erstellt werden. Allerdings gestaltet sich das Anzeigen der HKLSE Elemente in diesen Listen schwierig. Es tauchen keine HKLSE Elemente gesondert auf, unter Objekte sind diese ebenfalls nicht vorhanden. Unter Bestandteile sind zwar die HKLSE Elemente angelegt, jedoch erscheinen die Daten nicht in der Tabelle (siehe Abb. 13)

Abbildung 13

Das Modellieren erfolgt bei Revit sowie beim HKLSE Modeller meist in der 3D Darstellung und im Schnittbereich, da dort die Lage der Rohrsysteme im Raum am besten erkennbar ist. 

Trotz allem bräuchte man für die Monteure einen 2D Grundriss, in dem der Verlauf aller Leitungen zu erkennen ist. Es sollten also übereinanderliegende Leitungen nebeneinander dargestellt werden.

Abbildung 14 / Eigene Darstellung, Revit 2017 Studentenversion
Abbildung 15
Abbildung 16 / Eigene Darstellung, Revit 2017 Studentenversion
Abbildung 17

Fazit:

Revit eignet sich besser, um die Haustechnik professionell zu modellieren. Der HKLSE Modeller von ArchiCAD wird höchstwahrscheinlich nicht zu einem führenden Haustechniktool. Bei ArchiCAD geht es hauptsächlich darum, dass das Modell eingelesen und eine Kollisionsprüfung durchgeführt werden kann.

Äußerst schwierig gestaltet sich das Einlesen der jeweiligen Haustechnikmodelle in beide Programme. Die IFC-Dateien lassen sich zwar öffnen, allerdings kann man diese nicht weiterbearbeiten.

Es wurden einige Versuche unternommen, wie beispielsweise das Installieren der Verbindungs Plug Ins. Leider konnte bis dato (Stand: 07/2018) kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden.

Derzeit bringt buildingSMART International einen Zertifizierungsprozess in Gang, welcher zusammen mit mehreren beteiligten Softwarehäusern ein hohes Qualitätsniveau von IFC-Schnittstellen ermöglichen soll.